Mannheimer Morgen über die CD der Band FRAZZ – Foksongs und Katzenlieder

Georg Spindler zur CD der Band FRAZZ – Folksongs und Katzenlieder

Erhältlich übers Internet: post@cdpost.de
und heidiaydt@web.de

Oder: Heidi Aydt, Telefon: 0 62 21/86 95 97

Folksongs sind der Blues des europäischen Jazz: Egal ob Jan Garbarek, Gianluigi Trovesi oder Louis Sclavis -,viele Musikerpersönlichkeiten des alten Kontinents besinnen sich auf volkstümliches Liedgut. In diesen Kontext fügt sich das Bandprojekt der beiden Heidelberger Musikerinnen Heidi Aydt (Piano) und Jutta Glaser (Gesang), das, als FRAZZ firmiert, einem Kompositum aus den Wörtern Frauen und Jazz.

Unterstützt von Erwin Ditzner, dem Drummer der Mardi Gras BB, und dem Gitarristen Jochen Seiterle hat das Frauen-Duo jetzt die hörenswerte CD “Annuals” vorgelegt. Das Album, das vorwiegend Eigen-

Kompositionen von Aydt und Glaser enthält, bietet modernen”, kammermusikalischen Jazz voller ein-

gängiger singbarer Folkore-Themen zumeist osteuropäischer Provenienz. Ab und zu sorgen aber auch jaulende Gitarren-Sounds und harte Trommel-Beats für Rock-Flair.

Gefallen an diesem Album dürften vor allem jene Jazzfreunde finden, die sich von Jutta Glaser immer schon eine etwas experimentelle Platte gewünscht haben. Sie stellt sich als merklich gereifte Künstlerin vor. Ihre melancholisch angehauchte, dunkle Altstimme kommt besonders bei getragenen Stücken zur Geltung – etwa bei dem estnischen Balladenthema „Tasane Maa” oder dem Klagelied “Kosovo”, das von türkischen Rhythmen und melismatischen Melodiewendungen geprägt, wird.

In einigen freien Passagen, in der sie ihre Stimme wie ein Instrument einsetzt, lässt Jutta Glaser auch experimentelle Free-Jazz-Erfahrungen einfließen. Eher klassisches Jazz-Terrain beschreitet sie dagegen in Songs wie dem “Wiegenlied für eine alte Katze” (einem von drei Katzenliedern) und der Ballade „37“. Hier meistert sie die Kunst filigraner Textphrasierung.

Heidi Aydt überrascht mit kraftvollen Pianolinien und ausgeprägten Bassakzenten. Ihr Spiel ist eine eigenständige Synthese aus der perkussiven Modaltradition eines McCoy Tyner und den schwelgerischen Romantizismen, die Keith Jarrett in den Jazz eingeführt hat. Die Geschmackssicherheit, mit der sie die beiden gegensätzlichen Stile vereint, strahlt auf die gesamte Produktion dieser CD aus.

(Quelle: Mannheimer Morgen, Georg Spindler 05.06.03)